Roser, Heinrich

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Lage

Der Landwirtschaftsbetrieb liegt in Treffensbuch bei Berghülen auf der Schwäbischen Alb südöstlich von Stuttgart.

Betriebsspiegel

Betriebsfläche: Gesamtfläche ca. 165 ha, davon 65 ha Ackerland und 92 ha Grünland, 6 ha Streuobst

Betriebsstruktur: Rinderhaltung, Mostäpfel, Landschaftspflege

Viehbesatz: Ungefähr 30 Mutterkühe und 50 Jungrinder, 2 Pferde, Gänse, Seidenhühner

Maßnahmen für die Artenvielfalt

Auf dem Betrieb von Herrn Roser werden viele unterschiedliche Naturschutzleistungen erbracht. Die einzelnen Maßnahmen werden auf Teilen der Betriebsflächen umgesetzt.

  • Ackerland
  • Striegelverzicht
  • Standortbedingte Lichtäcker
  • Anbau von Kleegras
  • Blühstreifen im Kleegras
  • Schläge <5ha und <2ha
  • Grünland
  • Grünlandnutzung nach Verbandsrichtlinien und max. 2 Schnittnutzungen plus Beweidung
  • Walzen / Schleppen nicht 10.4. bis 31.7.
  • Verzicht auf Walzen und Schleppen
  • Verzicht auf Düngung
  • Mindestens 8 Wochen ohne Bearbeitung vor oder nach der 1. Nutzung
  • 1. Nutzung ab 1.7. oder ab 15.7.
  • Stehenlassen von Teilflächen bei der Mahd
  • Nicht arrondierte Schläge <2ha
  • Heunutzung
  • Verzicht auf Mähaufbereiter
  • Pflege (Beweidung) kleinflächiger Biotope
  • Landschaftselemente
  • Obstbäume: Einzelbäume oder Bestand auf Flächen (ca. 260 Obstbäume)
  • Alte Obstbäume > ca. 50Jahre
  • Säume an Grabenrändern
  • Lesesteinhaufen und Steinriegel
  • Auf-den-Stock-Setzen von Hecken
  • Neuanlage von Lesesteinhaufen u.a. Kleinstrukturen

Besonderheiten in Bezug auf Arten- und Naturschutz

Auf mehreren Ackerflächen kommen bemerkenswerte und gefährdete Ackerwildkräuter der Roten Liste vor wie das Sommer-Adonisröschen (Adonis aestivalis), der Blaue Gauchheil (Anagallis foemina) oder der Acker-Hahnenfuß (Ranunculus arvensis). An Problemarten im Getreide sind neben Klappertopf (Rhinanthus alectorolophus) und Zahntrost (Odontites vernus) die Acker-Winde (Convolvulus arvensis) und der Acker-Fuchsschwanz (Alopecurus myosuroides) zu nennen.

Artenreiches Grünland findet man auf den Weideflächen in Hanglagen oder auf trockenen, flachgründigen Böden. Charakteristische Arten sind z.B. Wiesen-Flockenblume (Centaurea jacea), Margeriten (Leucanthemum vulgare agg.), Wiesen-Bocksbart (Tragopogon pratensis), Wiesen-Kümmel (Carum carvi), Frauenmantel (Alchemilla spec.), Wiesen-Kammgras (Cynosurus cristatus), Wilde Möhre (Daucus carota) oder Mittlerer Wegerich (Plantago media).

Nördlich von Treffensbuch sind am Oberhang der Weideflächen an trockenen Rändern und im Kontakt zu Wegsäumen artenreiche Grünlandsäume mit Arten der Trockenrasen ausgebildet. Dort kommen z.B. Echtes Labkraut (Galium verum), Kleiner Wiesenknopf (Sanguisorba minor), Hufeisenklee (Hippocrepis comosa) und Zittergras (Briza media) vor. Auf einigen Weideflächen treten nach Auskunft von Herrn Roser auch Orchideen auf. K. Schertler (2010) fand im Rahmen der Aufnahmen zum Kulturlandschaftsplan seltene Schmetterlinge wie den Graubindigen Mohrenfalter (Erebia aethiops).

Auf den Pflegeflächen im Himpfertal sind teilweise artenreiche Magerrasen mit z.B. Thymian und Blutwurz (Potentilla erecta) vorhanden sowie artenreiches Frischgrünland mit Wiesen-Storchschnabel (Geranium pratense), Frauenmantel (Alchemilla agg.) und Witwenblume (Knautia arvensis).

Die Artenvielfalt von Blütenpflanzen ist ein guter Indikator für die Gesamtartenvielfalt: in blütenreichen Biotopen kommen in der Regel auch viele Blütenbesucher wie Schmetterlinge und Bienen vor. Die Artenvielfalt bei den Pflanzen zeigt auch eine günstige Vegetationsstruktur mit ausreichender Besonnung des Erdbodens an, was günstig ist für wärmeliebende Insekten wie Heuschrecken. Viele Insekten bieten wiederum den Vögeln und anderen Tieren eine gute Nahrungsgrundlage.

Wesentliche Leistungen und Maßnahmen für die Artenvielfalt sind zum Beispiel:
- Auf einigen Ackerflächen wird auf das Striegeln verzichtet.
- Auf einem Teil des Grünlandes ist das Schleppen/Walzen vor dem 10.4. abgeschlossen, so dass keine Gefährdung für Bodenbrüter besteht.
- An steilen Hanglagen wird auf Walzen und Schleppen verzichtet - dies ist besonders positiv für bodenlebende Insekten.
- Grünlandflächen in steilen Hanglagen werden nicht gedüngt, dies fördert die Pflanzenartenvielfalt und damit auch die Insekten.
- Auf einigen Grünlandflächen wird eine Ruhephase von 8 Wochen in der Brutzeit realisiert, kleinere Flächen erst im Juli das erste Mal genutzt.
- Bei der Frischfuttergewinnung werden auf den Grünlandschlägen in der Umgebung von Treffensbuch häufig Teilflächen stehen gelassen - diese Streifen sind wertvolle Rückzugsorte für Insekten wie Heuschrecken und Schmetterlinge. Außerdem können Blütenpflanzen aussamen und sich vermehren.
- Flächen mit alten Obstbäumen werden extensiv vom Betrieb genutzt.
- Der Betrieb engagiert sich in der Heckenpflege und Landschaftspflege auch auf Gemeindeflächen, und es wurden mehrere Lesesteinhaufen als Biotop angelegt. Im Himpfertal erfolgt eine extensive Beweidung von artenreichem Magergrünland.

Über den Betrieb

Der Betrieb wird seit 1993 im Vollerwerb ökologisch bewirtschaftet. Die Acker- und Grünlandflächen sind häufig flachgründig und werden durch Parabraunerden auf Löss oder Rendzinen aus Kalksteinverwitterung geprägt. Teilweise ist toniger Lehm vorhanden. Die mittleren Jahresniederschläge liegen bei 800 mm. Zurzeit (2018) gehören 65 ha Ackerland und 92 ha Grünland sowie 6 ha Streuobst und 2 ha Wald zur Betriebsfläche. Der Betrieb hält Mutterkühe, Jungbullen und einen Bullen. Der Streuobstbestand besteht aus ca. 262 Bäumen. Die Mostäpfel können von Selbstabholern geerntet und an regionale Biovermarkter geliefert werden. Der Betrieb betreibt außerdem Landschaftspflege auf Extensivflächen für die Gemeinde, z.B. Beweidung oder Mahd kleinflächiger Biotope.

Die Ackerflächen weisen mittlere Ackerzahlen von 40 auf. In der 7-gliedrigen Fruchtfolgen werden Kleegras, Weizen, Dinkel, Ackerbohnen, Roggen und Hafer angebaut. Kleegras wird auf ca. 20 ha angebaut und für die Fütterung der Rinder genutzt. In der Regel erfolgen 3 Nutzungen pro Jahr. Seit fünf Jahren verzichtet der Betrieb auf den Pflug. Die Bodenbearbeitung erfolgt mit dem Flachgrubber. Auf einigen Ackerflächen hat eine starke Ausbreitung von Zottigem Klappertopf und Acker-Zahntrost stattgefunden, vor allem an den Schlagrändern. Ein Grund kann nach Aussagen von Herrn Roser darin liegen, dass diese Bereiche in der Vergangenheit zu wenig Mist erhielten. Beide Arten sind sogenannte Halbparasiten, die aus den Wurzeln anderer Pflanzen Nährstoffe entnehmen.

Das Grünland ist durch sehr geringe Bodengüten geprägt (mittlere Grünlandzahl: 10). Ende April wird mit der Weidenutzung begonnen. Auf den Flächen, die gemäht werden, erfolgt die erste Nutzung ebenfalls bereits Ende April bis Anfang Mai, Einzelschläge werden erst Ende Juni gemäht. Die 2. Nutzung findet Ende Juni statt, Frischfutter wird zum Teil auch früher auf Teilflächen geschnitten. Dabei entsteht ein kleinräumiges Nutzungsmosaik auf den Schlägen, was sich sehr positiv auf die Artenvielfalt auswirkt und für die Tiere abwechslungsreiches Futter bringt. Die Weideflächen werden erst nach der Beweidung gewalzt, was unproblematisch für Bodenbrüter ist, da diese in der kurzen Vegetation noch nicht mit dem Nestbau beginnen. Das Grünland wird vorzugsweise mit Festmist gedüngt. Wenn möglich, wird Heu gemacht, um besseres Futter zu erzeugen.