Bewertung der Maßnahmen

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Bewertung der naturschutzfachlichen Leistungen über ein Punktesystem

Das Naturschutzmodul soll allgemeingültige und nachvollziehbare Regeln für die Bewertung von Naturschutzleistungen vorgeben. Gleichzeitig geht es darum, einer Vielzahl betrieblicher Produktionsverfahren und standörtlicher Gegebenheiten gerecht zu werden. Hierzu eignet sich ein Punktesystem, wie es bereits erfolgreich in der Schweiz und in Agrarumweltprogrammen in Deutschland angewendet wird.

Höhe der Punktzahl spiegelt naturschutzfachliche Leistung wieder

Die Festlegung der Kriterien und die Bewertung der Naturschutzleistungen erfolgte in enger Abstimmung mit Experten aus den Bereichen Umwelt und Landwirtschaft. Die Punktzahl der einzelnen Module ist das Ergebnis der Einschätzung, wie effektiv die Maßnahme für den Naturschutz ist. Besonders hoch werden „kleinräumig effektive Maßnahmen“ bewertet. Darunter sind Maßnahmen zu verstehen, die bei geringem Flächenanspruch besonders vorteilhaft für bestimmte Zielarten sind (z. B. Stehenlassen von Streifen bei der Mahd).

Mindestpunktzahl pro Betrieb erforderlich

Zum Erreichen des Naturschutzmoduls sind mindestens 120 Punkte pro 100 ha auf gesamtbetrieblicher Ebene nötig, 20 Punkte davon durch „kleinräumig effektive Maßnahmen“. Der Anteil der Punkte für erfolgsorientierte Leistungen darf maximal 50 % betragen. Mit diesen Regelungen wird gewährleistet, dass auch Betriebe, die aufgrund von Standortvorteilen schon im Rahmen der üblichen Bewirtschaftung hohe Naturschutzleistungen erbringen, weitere Maßnahmen zum Erreichen der Gesamtpunktzahl durchführen müssen.

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Die Tabelle zeigt eine Beispielrechnung für einen fiktiven 500 ha Gemischtbetrieb. Bei der Auswahl der Maßnahmen wurden die vier Bereiche Ackerland (A), Grünland (G), Landschaftselemente (L) und Erfolgsorientierte Leistungen (E) berücksichtigt. Mit den kleinräumig effektiven Maßnahmen (KEM) werden in diesem Beispiel 36 Punkte (umgerechnet auf 100 ha) erreicht

Naturschutzleistungen sind mit Kosten verbunden

Ein wesentliches Kriterium bei der Entscheidung, ob und in welchem Maße Naturschutzmaßnahmen umgesetzt werden, ist die ökonomische Perspektive eines Betriebes. Die meisten Leistungen und Maßnahmen sind mit Kosten für den Landwirt verbunden, unter anderem durch:

1) Ertragsverluste, z. B. durch Lücken in Getreidebeständen oder geringerem Aufwuchs im Grünland infolge des Verzichts auf Düngung

2) Qualitätsverluste beim Futter, z. B. durch verspätete Mähtermine im Grünland oder Kleegras

3) Zeitlicher und materieller Zusatz-Aufwand, z. B. durch Markieren von Streifen, die nicht gemäht werden sollen oder aufwändige Erntetechniken wie die Mosaikmahd.

Auch können Folgekosten bestimmter Maßnahmen erheblich sein, wie etwa eine Verunkrautung mit schwer bekämpfbaren Beikräutern in den Folgejahren infolge des Verzichts auf Striegeln. Für einen Ökolandwirt ist hier das Risiko weitaus größer als im konventionellen Landbau, wo ggf. ein Totalherbizid das Problem schnell beseitigen hilft. Maßnahmen im Futterbau haben oft zur Folge, dass weniger Futter erzeugt wird. Da Futterzukauf im Ökolandbau stark begrenzt ist, sind solche Maßnahmen vor allem in Milchviehbetrieben, die eine hohe Futterqualität benötigen, kritisch. Die Erbringung spezifischer Maßnahmen für den Arten- und Biotopschutz, wie sie im Naturschutzmodul definiert sind, können also in der Regel vom Landwirt nicht umsonst erwartet werden und müssen honoriert werden.

 Ökonomische Berechnung der Naturschutzleistungen

Für eine Vielzahl der Maßnahmen wurden eigene Kostenberechnungen angestellt. Darüber hinaus wurden Angaben aus anderen wissenschaftlichen Untersuchungen bzw. Ausgleichszahlungen der Agrarumweltförderung als Grundlage herangezogen.Die Kalkulationen vergleichen die zu erwartenden Kosten im Betrieb bei Durchführung der Maßnahme mit denen praxisüblicher Bewirtschaftung.

Detaillierte Beispielrechnungen für Naturschutzmaßnahmen sind in einer Broschüre zur Honorierung von Naturschutzleistungen erläutert.

Im Mittel aller kalkulierten Maßnahmen des Leistungskataloges ergibt sich eine Ausgleichssumme von 90 bis 120 EUR bezogen auf einen Hektar Acker bzw. Grünland, ohne dass dabei Transaktionskosten und eine mögliche Anreizprämie berücksichtigt wurden. Der Mittelwert ist allerdings nur bedingt aussagefähig, da die Spanne von 10 EUR je Hektar bis zu über 1000 EUR je Hektar liegen kann.

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Tab. 3 zeigt eine Übersicht, mit welchen Kosten bei der Umsetzung von Maßnahmen in den Bereichen Ackerbau, Grünland und Landschaftselemente zu rechnen ist.