Gut Temmen

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Lage

Der Landwirtschaftsbetrieb Gut Temmen liegt im Landkreis Uckermark (Nordbrandenburg) im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin, ca. 70 km nordöstlich von Berlin. Große Teile der Betriebsflächen gehören zu den FFH-Gebieten "Kronhorst - Groß Fredenwalde" und "Arnimswalde" sowie zum Vogelschutzgebiet Schorfheide-Chorin.

Betriebsspiegel

Gesamtfläche ca. 3460 ha, davon 2778 ha Ackerland und 596 ha Grünland

Rinderhaltung, Schweinehaltung

Ungefähr 1500 Rinder, 300 Schweine

Maßnahmen für die Artenvielfalt

Auf Gut Temmen werden viele unterschiedliche Naturschutzleistungen erbracht. Einzelne Maßnahmen werden auf Teilflächen umgesetzt.

  • Nicht Striegeln
  • Geringe Kulturdichte
  • Anbau von Kleegras
  • 8 Wochen Ruhephase während der Brutzeit im Kleegras
  • Stehenlassen von Teilflächen im Kleegras
  • Überjährig ungemähte Streifen im Kleegras
  • Mosaiknutzung im Kleegras
  • Vielfältige Fruchtfolge
  • Vorkommen von stark gefährdeten Tierarten
  • Extensivgrünland
  • Extensive Weide im trockenen Grünland
  • Walzen / Schleppen nicht 10.4. bis 31.7.
  • Keine Düngung
  • Ruhezeit 8 Wochen in der Brutzeit im Grünland
  • Spätnutzung ab 1.7.
  • Spätnutzung ab 15.7.
  • Stehenlassen von Teilflächen im Grünland
  • Mosaiknutzung im Grünland
  • Heunutzung
  • Individuelle Leistungen
  • Vorkommen von stark gefährdeten Ackerwildkräutern
  • Strukturreiche Hecken + Gebüsche
  • Ungenutzte Offenflächen
  • Amphibiengewässer, Kleingewässer
  • Amphibienstreifen im Kleegras + Grünland
  • Amphibienstreifen im Acker
  • Periodische Vernässungen im Acker
  • Säume auf mageren Standorten
  • Säume an Grabenrändern
  • Lesesteinhaufen + Steinwälle
  • Hohe Artenvielfalt von Ackerwildkräutern
  • Artenreiches Grünland
  • Nassgrünland

Besonderheiten in Bezug auf Arten- und Naturschutz

Auf den Betriebsflächen von Gut Temmen wurde bei systematischen Erfassungen im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin eine sehr hohe Artenvielfalt festgestellt. Hervorzuheben sind die Artengruppen der Amphibien, der Brutvögel und der Ackerwildkräuter.
Rotbauchunke, Kammmolch und Laubfrosch besitzen hier ein Verbreitungszentrum mit landesweit bedeutsamen Populationsgrößen. Insgesamt waren in den Jahren 2010 und 2011 über 350 Gewässer von mindestens einer Amphibienart besiedelt. Hervorzuheben ist die große zusammenhängende Population der Rotbauchunke mit bundesweiter Bedeutung. Es wurden über 100 (zeitweilig) besiedelte Laichgewässer auf den Betriebsflächen bzw. in unmittelbar angrenzenden Landschaftselementen festgestellt. Auch für den Moorfrosch (>100 Gewässer) und die Knoblauchkröte (>40 Gewässer) hat die Region eine hohe Bedeutung. Wichtige Maßnahmen für die Förderung von Amphibien sind die Sicherung des Wasserhaushaltes in Kleingewässern und die Anlage von unbeackerten Gewässerrandstreifen.
Verbreitete Brutvögel mit bedeutsamen Populationen sind Neuntöter, Sperbergrasmücke und Rohrweihe. Als Nahrungshabitat spielen die Flächen eine große Rolle für Rotmilan, Schwarzmilan, Schreiadler und Weißstorch.
Bisher wurden 16 gefährdete Arten von Ackerwildkräutern der Roten Liste aufgefunden. Davon sind einige auf den Ackerflächen weit verbreitet und lokal häufig, z.B. die Acker-Lichtnelke und der Feld-Rittersporn.

Einige Grünlandflächen haben außerdem Bedeutung für hochgradig gefährdete Schnecken und Tagfalter. Ein charakteristischer Tagfalter der Ackerflächen ist der Kleine Perlmutterfalter, die Säume der unbefestigten Feldwege werden vom Mauerfuchs besiedelt.
Im Ackerbau profitieren viele Arten von den häufig geringen Kulturdichten mit reicher Ausbildung der Wildkrautflora. Kornblumen, Klatsch-Mohn und Sand-Mohn sind allgegenwärtige Begleiter im Wintergetreide, das kaum gestriegelt wird. Die vielgliedrige Fruchtfolge mit einem hohen Anteil von Kleegras und Sommergetreide bietet sehr gute Brutbedingungen für Feldvögel wie die Feldlerche.
Viele Arten profitieren von der extensiven Mutterkuhhaltung in der großräumigen Weidelandschaft, zum Beispiel Amphibien (Sommerlebensraum) oder Schreiadler, Rotmilan und Neuntöter (Jagdlebensraum). Während der Brutzeit der Feldvögel erfolgt sowohl im Kleegras als auch im Grünland nur eine einzige Mahd im Zeitraum Ende Mai bis Anfang Juli, so dass auf den meisten Flächen eine Ruhezeit von 7-8 Wochen gegeben ist. Für Arten mit besonderen Ansprüchen wie das Braunkehlchen bleiben zusätzlich Teilflächen oder Streifen bis Ende Juli ungenutzt. Dies bietet auch Rückzugsraum für Feldhasen und Blütenangebot für Insekten wie Bienen und Tagfalter. Für die zeitweise ungemähten Flächen gibt es einen finanziellen Ausgleich aus Agrarumweltprogrammen (Vertragsnaturschutz im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin).

Über den Betrieb

Die fünf Teilbetriebe (Gut Temmen, Naturrind Böckenberg, Ökodomäne Hohenwalde, Gut Friedenfelde GmbH, AEVG e.G. Stegelitz Flieth), mit insgesamt rund 600 ha Grünland und 2700 ha Ackerland werden komplett ökologisch bewirtschaftet. Die Umstellung der Teilbetriebe auf ökologischen Landbau erfolgte in den Jahren 1992 bis 2002.
Die Landschaft ist außerordentlich reichhaltig gegliedert und vielfältig. Sie wird geprägt von Stauch- und Grundmoränen der Weichseleiszeit mit wellig-kuppiger Oberflächenstruktur und zahlreichen Toteislöchern. Weiterhin sind Schmelzwasserrinnen mit Sandern, vermoorte Senken und mehrere größere Seen vorhanden. Klimatisch gehört das Gebiet zum Brandenburgisch-Mecklenburgischen Übergangsklima mit einem mittleren Jahresniederschlag von ca. 570 mm. Die klimatische Wasserbilanz in den Monaten April bis September ist in der Regel negativ. Die Bodengüte der Äcker ist sehr heterogen, die Ackerzahlen liegen meist zwischen 17 und 53 (Mittel 37).
Die Rinder sind ganzjährig auf der Weide. Neben den Grünlandflächen stehen den Tieren auch Ackerflächen zur Verfügung, die mit Kleegras oder Luzerne bestellt sind (insgesamt über 40% der Ackerfläche). Auf ungefähr einem Drittel der Ackerfläche wird Luzerne angebaut, auf der übrigen Ackerfläche vor allem Sommer- und Wintergetreide sowie in geringem Umfang Lupine und Hafer-Erbsen-Gemenge (insgesamt ca. 14 verschiedene Ackerkulturen). Besonders auf den schwierig zu bewirtschaftenden Ackerschlägen mit heterogenen Böden oder vielen Söllen steht das Luzerne-Gras 4-5 Jahre, dann folgt zwei Jahre Getreide. Mais wird nicht angebaut. Die Schweine leben überwiegend von Abfallgetreide sowie von Erbsen und Silage der hofeigenen Betriebsflächen.
Im Hofladen werden betriebseigene Produkte, zum Beispiel die als Delikatesse bekannte Wurst sowie Fleischprodukte, sowie ein kleines Naturkostsortiment verkauft.
Mit dem Betrieb sind weitere Kleinunternehmen assoziiert. Auf der Wildsamen-Insel wird Saatgut einheimischer Kräuter und Gräser für Blühmischungen und Ausgleichsflächen produziert. Außerdem gibt es Ferienwohnungen und man kann Reituntericht nehmen. Ausritte in die großartige Landschaft organisiert Susanne Krüger, eine selbständige Reitlehrerin. Mit Liesje Trecking können Planwagenfahrten unternommen werden.

Kontakt

Lindenallee 3a / 17268 Temmen-Ringenwalde
Webseite: www.gut-temmen.de