Eggert Voss

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Lage

Fast die gesamte Fläche des Betriebes ist im europäischen Vogelschutzgebiet Eiderstedt gelegen und wird dort unter den Auflagen eines auf Wiesenvogelschutz ausgelegten Managementplans bewirtschaftet.

Betriebsspiegel

Gesamtfläche 118 ha Grünland

Rinderhaltung

270 Rinder

Maßnahmen für die Artenvielfalt

Auf dem Betrieb von Eggert Voss kommen folgende Naturschutzleistungen zur Anwendung:
Die einzelnen Maßnahmen umfassen Teilflächen auf dem Betrieb.

  • Grünland Basis
  • Walzen / Schleppen nicht 15.3. bis 31.7.
  • Keine Düngung
  • Beweidung von Grabenrändern (Eiderstedt)
  • Amphibiengewässer, Kleingewässer
  • Nassgrünland

Besonderheiten in Bezug auf Arten und Naturschutz

Fast die gesamte Fläche des Betriebes ist im europäischen Vogelschutzgebiet Eiderstedt, in Schleswig-Holstein gelegen und wird dort unter den Auflagen eines auf Wiesenvogelschutz ausgelegten Managementplans bewirtschaftet. Das europäische Vogelschutzgebiet Eiderstedt ist der Lebensraum für eine Vielzahl von mittlerweile selten gewordenen Wiesenbrütern (Rotschenkel, Austernfischer, Kiebitz etc.) aber auch Rastgebiet für durchziehende Gastvögel (Wildgänse). Eine besonders seltene Vogelart mit hoher Schutzpriorität auf Eiderstedt ist die Trauerseeschwalbe, da diese in Deutschland als vom Aussterben bedroht gilt.
Grundlage des Managementplans sind dabei klassische Bewirtschaftungsauflagen, die den Bruterfolg der Wiesenbrüter unterstützen sollen. Diese umfassen etwa eine Einschränkung der mechanischen Pflege (Walzen, Schleppen), der Düngung und des Viehbesatzes. Neben diesen Bewirtschaftungsauflagen werden jedoch auch noch aktive Maßnahmen zur Schaffung oder Verbesserung von wichtigen Nahrungshabitaten der zu schützenden Arten umgesetzt. So erfolgt etwa ein gezielter Anstau von Entwässerungsgräben, oder es werden Blänken und Kleingewässern angelegt.
Mit der Beweidung von Grabenrändern besteht auf Eiderstedt eine sehr spezielle Naturschutzmaßnahme. Bei dieser Maßnahme ist es Ziel, die Vegetation (v.a. Schilf) entlang der Entwässerungsgräben kurz zu halten um somit klare sonnenbeschienende Wasserfläche zu schaffen.

Auf solche Bedingungen ist die Krebsschere, eine seltene schwimmende Wasserpflanze, angewiesen. Diese wiederum dient der Trauerseeschwalbe als „Brutfloss“, so dass ein Bruterfolg nur erzielt werden kann, wenn diese Wasserpflanze im Gewässer präsent ist. Das Freihalten der Grabenrändern hat einen weiteren Effekt, den das Nahrungsangebot für die Trauerseeschwalbe betrifft. Denn in einem derart strukturierten Gewässer gibt es einen Besatz mit Kleinfischen, der die Nahrungsgrundlage der Trauerseeschwalbe bildet. Um jedoch eine Beweidung, auch der Grabenränder, zu erreichen, dürfen diese nicht eingezäunt werden, so dass die Rinder nur durch das hoch angestaute Wasser im Graben davon abgehalten werden, abzuhauen, dies funktioniert oftmals nur bedingt. Durch den so uneingeschränkten Viehtritt entlang der Gräben kommt es jedoch schneller dazu, dass diese neu ausgehoben werden müssen, was einen erhöhten Aufwand für Gewässerunterhaltung bedeutet.
Eine weitere Besonderheit auf Eiderstedt sind die auf fast jeder Weide künstlich angelegten Tränkekuhlen, welche früher als auch heute zum Tränken des Weideviehs dienen. Ihre feuchten und somit weichen Ränder sind wichtiges Nahrungshabitat für stochernde Wiesenvögel wie etwa Austernfischer.

Über den Betrieb

Der Betrieb von Eggert Voss liegt in Dithmarschen, einer Region die aufgrund ihrer fruchtbaren Marschböden durch sehr intensiven Marktfruchtbau (WW-Ra-WW) und vor allem Freilandgemüseanbau geprägt ist. In Dithmarschen selbst liegt jedoch nur der geringere Anteil der Betriebsfläche von Eggert Voss. Das Gros der Flächen befindet sich auf der 20 km nördlich gelegenen Halbinsel Eiderstedt. Auch hier überwiegen sehr fruchtbare Marschböden, die jedoch seit jeher als Dauergrünland bewirtschaftet werden. Um dieses große und für den Wiesenvogelschutz wichtige Gebiet erhalten zu können, besteht für einen Großteil von Eiderstedt ein Umbruchverbot.
Die durchschnittlichen Jahresniederschläge betragen 823 mm. Die Böden bestehen aus mittleren Grünlandzahlen von 80 Bodenpunkten. Aufgrund der fruchtbaren Böden und der hohen Niederschläge zählen sie zu den produktivsten Grünlandstandorten in Deutschland.
Neben seinen Flächen in Dithmarschen hat sich Eggert Voss frühzeitig darum gekümmert Flächen mit Naturschutzauflagen auf Eiderstedt zu pachten oder zu erwerben, welche dort aufgrund des Strukturwandels in der Landwirtschaft zur Verfügung freigesetzt wurden. Somit hat er die Chance genutzt, seinen Betrieb mit diesen Flächen zu entwickeln und ein Fortbestehen sicherzustellen.

Das Vieh für die Weidemast kauft Eggert Voss bei anderen Biopark Betrieben, überwiegend aus Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Dort sind die Standortbedingungen für eine Weidemast nicht derartig günstig, so dass diese hier kaum wirtschaftlich betrieben werden kann. Der Austrieb beginnt meistens im Mai und die Weidesaison endet dann für gewöhnlich Anfang Oktober, je nach Witterungsverlauf.
Mit seiner Bedeutung für den europäischen Vogelschutz, ist Eiderstedt ein Aushängeschild für den Naturschutz in Schleswig-Holstein, jedoch ist der Druck auf landwirtschaftliche Flächen in dieser Region extrem hoch. Als logische Konsequenz entstehen immer wieder Begehrlichkeiten, auch Grünland auf Eiderstedt unter den Pflug zu nehmen. Ein langfristig nachhaltiger Naturschutz kann deshalb nur durch derartige Nutzungskonzepte erreicht werden, welche wirtschaftlich stabil sind und somit auch in Zukunft bestehen können.