Hauhechel-Bläuling

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Der Hauhechel-Bläuling (Polyommatus icarus) ist einer der häufigsten Bläulinge in Deutschland. Aus Gebieten mit intensiver landwirtschaftlicher Nutzung ist er allerdings weitgehend verschwunden. Die oberseits blau gefärbten Männchen sind meist zahlreicher zu sehen als die unauffälligen, bräunlich gefärbten Weibchen.

Lebensraum und Ökologie

Der Hauhechel-Bläuling legt seine Eier an Schmetterlingsblütler wie Weißklee, Hopfenklee, Hornklee, Rotklee oder Luzerne. Der Hauhechel (Ononis spec), eine Pflanzenart der Trockenrasen, wird eher seltener belegt. Als Generalist kommt er in vielen Lebensräumen mit geeigneten Fraßpflanzen für die Raupen vor. Typische Habitate sind extensiv genutzte Wiesen und Weiden, lückige Kleegrasfelder, Trockenrasen und Säume. Die Eier werden bevorzugt an schwachwüchsige Pflanzen in Beständen mit geringer Deckung gelegt. In dichtwüchsigen Fettwiesen und auf Intensivweiden kommt die Art nicht vor.

In Nordostdeutschland fliegen meist zwei Generationen pro Jahr von Mitte Mai bis Juni und von Ende Juli bis September. Die Raupen der zweiten Generation überwintern in der Bodenstreu.

Gefährdung

Der Hauhechel-Bläuling ist deutschlandweit bislang nicht gefährdet, seine Bestände sind jedoch deutlich zurückgegangen. Der europäische Indikator für Grasland-Schmetterlinge (European Butterfly Indicator for Grassland species) zeigt ebenso wie das Tagfalter-Monitoring in Deutschland für den Hauhechel-Bläuling einen negativen Bestandstrend.

Vorkommen auf den Projektbetrieben

Der Hauhechel-Bläuling ist auf vielen Betrieben verbreitet, aber nur lokal häufig. Bei Untersuchungen auf einem Betrieb in der Mecklenburgischen Schweiz gehörte er mit zu den häufigsten Arten.

Welche Maßnahmen sind besonders zur Förderung des Hauhechel-Bläulings geeignet?

Generell müssen Schutzmaßnahmen für Tagfalter sowohl die Ansprüche der adulten Falter als auch die der Raupen berücksichtigen:

  • Artspezifische Raupenfraßpflanzen müssen in geeigneten Mikrohabitaten (Teillebensräumen) vorhanden sein
  • Zur Flugzeit der adulten Falter ist ein gutes Blütenangebot als Nektarquelle nötig
  • Die landwirtschaftliche Nutzung und Bearbeitung der Flächen (z.B. Mahd, Bodenbearbeitung) muss ausreichende störungsfreie Zeitfenster für die Fortpflanzung belassen

Für den Hauhechel-Bläuling stellen im Ökologischen Landbau mehrjährige, nicht zu dichtwüchsige Kleegrasfelder ein wichtiges Fortpflanzungs- und Überwinterungshabitat dar. Blühflächen im Kleegras (z.B. ungemähte Streifen, die bei der Mahd stehenbleiben) bieten den Faltern eine sehr gute Nektarquelle. Dort finden sich auch andere Falterarten ein wie die Goldene Acht und der Kleine Perlmutterfalter sowie Arten aus benachbarten Lebensräumen wie der Kleine Fuchs, Weißlinge oder in der Nähe von Wäldern der Zitronenfalter.

Im Grünland wird der Hauhechel-Bläuling vor allem durch geringe Düngung, Hochschnitt und den Verzicht auf das Walzen der Flächen gefördert. Ungemähte Teilflächen auf Wiesen und Weiden bieten ein Blütenangebot auch nach der Mahd und haben für viele andere Tiere (Heuschrecken, Feldhase usw.) eine große Bedeutung als Rückzugs- und Nahrungshabitat.

 Maßnahmen im Handbuch „Landwirtschaft für Artenvielfalt“:

  • A7       Kleegras Basis
  • A9       Hochschnitt im Kleegras
  • A10.1   Stehenlassen von Teilflächen im Kleegras
  • A10.2  Ungemähte Kleegrasstreifen an Schlagrändern
  • A11      Mosaiknutzung im Kleegras
  • A12.2   Buntbrachen und Blühstreifen
  • G1       Grünland Basis
  • G2.1    Extensive Weide im trockenen Grünland
  • G3.3    Verzicht auf Schleppen/ Walzen
  • G4.1    Keine Düngung
  • G4.2    Keine Düngung außer P,K
  • G6.1    Stehenlassen von Teilflächen
  • G8      Mosaiknutzung im Grünland
  • G10.1  Hochschnitt großflächig
  • G11     Verzicht auf Mähaufbereiter
  • L8.1    Säume auf mageren Standorten
  • L8.2    Säume auf besseren Standorten

Texte: F. Gottwald & K. Stein-Bachinger; erstellt im Rahmen des WWF-Projektes „Landwirtschaft für Artenvielfalt“ 2015