Quirl–Tännel

Der Quirl-Tännel (Elatine alsinastrum) steht stellvertretend für eine Gruppe von seltenen Pflanzen, die auf nassen, offenen Böden wachsen. Weitere Arten sind die Sand-Binse (Juncus tenageia), der Sumpfquendel (Peplis portula) und der Schlammling (Limosella aquatica). Typisch und häufig an diesen Standorten ist zum Beispiel die Kröten-Binse (Juncus bufonius).

Lebensraum und Ökologie

Der Quirl-Tännel ist in Nordostdeutschland typisch für sogenannte „Ackernassstellen“. Damit werden Vernässungen und Kleingewässer in abflusslosen Senken auf dem Acker bezeichnet, die je nach Witterung überschwemmt sind oder periodisch trockenfallen. Die stark schwankenden Wasserstände sind die Voraussetzungen für das Vorkommen des Quirl-Tännels und der Begleitarten. Sie keimen im Flachwasser oder auf den durchfeuchteten Flachufern. In trockenen Jahren treten sie überhaupt nicht in Erscheinung, können aber als Samen im Boden mehrere Jahrzehnte überdauern, um dann bei günstigen Bedingungen plötzlich massenhaft wieder in Erscheinung zu treten.

Die einzelnen Arten dieser „Schlammboden-Pionierfluren“ haben verschiedene Ansprüche an die Überflutungsdauer und den Basengehalt des Bodens. Auf jeden Fall verschwinden sie schnell, wenn sich eine dauerhafte, hochwüchsige Ufervegetation ausbildet. Deshalb ist es für diese Arten überlebensnotwendig, dass die Ackernassstellen in trockenen Jahren hin und wieder beackert und gepflügt werden, damit die vegetationsarmen, offenen Böden erhalten bleiben.

Gefährdung

Der Quirl-Tännel gehört in Deutschland zu den stark gefährdeten Arten (Rote Liste 2). In Nordostdeutschland liegt ein weltweites Verbreitungszentrum, womit vor allem Brandenburg eine besondere Verantwortung für den Erhalt der Art trägt. In Mecklenburg-Vorpommern gilt der Quirl-Tännel als vom Aussterben bedroht. Sumpfquendel und Schlammling sind in einzelnen Bundesländern gefährdet. Eine weitere stark gefährdete Art aus der Gruppe der Nassstellenarten ist die Sand-Binse.

Die wichtigste Gefährdungsursache ist das Trockenlegen von Ackernassstellen durch Drainagen. Daneben spielt im konventionellen Landbau auch die Nährstoffanreicherung (Eutrophierung) durch hohe Düngung eine Rolle.

Eine neuerdings nicht zu unterschätzende Gefährdungsursache ist die dauerhafte Anlage von Gewässerrandstreifen. Diese nicht mehr beackerten Randstreifen mit dem Ziel des Gewässer- und Amphibienschutzes bilden eine dichte Vegetationsdecke aus, so dass für die Arten der offenen Böden keine geeigneten Wuchsbedingungen mehr vorhanden sind. Hier ist im Einzelfall eine sorgfältige Konfliktanalyse und Abwägung bei Naturschutzmaßnahmen vorzunehmen.

Vorkommen auf den ökologisch bewirtschafteten Projektbetrieben

Der Quirl-Tännel konnte bisher auf den Projektbetrieben nicht nachgewiesen werden, Schlammling und Sumpf-Quendel sind selten. Im Wesentlichen liegt dies daran, dass auf den meisten Betrieben nur sehr wenige bis keine Nassstandorte im Acker vorhanden sind.

Welche Maßnahmen sind besonders zur Förderung des Quirl-Tännel und anderer Nassstellenarten geeignet?

Grundvoraussetzung für den Schutz der Arten ist der Erhalt der Lebensräume, also der vernässten Senken mit schwankenden Wasserständen sowie von periodisch überschemmten Ausuferungszonen von Kleingewässern im Acker. Dies kommt auch anderen spezialisierten Arten zugute wie dem Kiebitz oder dem Flußregenpfeifer. In der Umgebung der Nassstellen sollte außerdem wenig gedüngt werden und die Stoppel nach der Ernte über den Sommer stehenbleiben.

Maßnahmen im Handbuch „Landwirtschaft für Artenvielfalt“:

  • A2.1    Stoppelbearbeitung nach dem 15.8.
  • A5.2    Ackerwildkrautschutz auf Sonderstandorten
  • L7.2     Periodische Vernässungen im Acker

Texte: F. Gottwald & K. Stein-Bachinger; erstellt im Rahmen des WWF-Projektes „Landwirtschaft für Artenvielfalt“ 2015