Kiebitz

Der Kiebitz (Vanellus vanellus) gehört zu den „Watvögeln“. Auffällig und bekannt sind seine gaukelnden Balzflüge. Die Art geht im Bestand stark zurück und ist europaweit gefährdet.

Lebensraum und Ökologie

Der Kiebitz lebt vor allem im kurzwüchsigen, großflächig offenen Nass- und Feuchtgrünland. Die Randbereiche von sogenannten Blänken (im zeitigen Frühjahr überschwemmte Senken) sind besonders beliebt. Auch Nassstellen in Ackerflächen sind gute Biotope für die Art. Maisäcker werden aufgrund der zunächst günstigen Struktureigenschaften (offener Boden) ebenfalls besiedelt, bieten aber zuwenig Nahrung für die Jungenaufzucht.

Die Brutzeit beginnt je nach Witterung bereits im März, die meisten Nester findet man im April und Mai. Die Eier werden offen auf den Boden in eine kleine Mulde gelegt. Aufgrund der Tarnfärbung der Eier sind sie trotzdem schwer zu entdecken. Die Brutdauer beträgt ca. 4 Wochen. Die Jungvögel sind Nestflüchter. Sie verlassen sofort nach dem Schlüpfen das Nest, können aber frühestens nach 5 Wochen fliegen, also frühestens ab Ende Mai.

Schon im Frühjahr bilden sich Trupps von Nichtbrütern und brutgestörten Vögeln, die umherziehen und einen großen Bestand vortäuschen können. Zur Hauptzugzeit im Sommer sind Rastansammlungen von mehreren tausend Vögeln zu beobachten. Die Überwinterungsgebiete liegen in West- und Südwesteuropa und rund um das Mittelmeer.

Gefährdung

Der Kiebitz steht in Gesamtdeutschland, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern in der Kategorie 2 der Roten Liste („stark gefährdet“). Nach der aktuellen Roten Liste für Europa (2015) gilt er auch europaweit als gefährdet! Die überregionalen Bestandstrends sind stark negativ. In Brandenburg hat die Art von 1995 bis 2009 um ca. 50% abgenommen, wobei große Bestandsverluste schon vorher in den 80er Jahren stattfanden.

Die Gründe für den enormen Rückgang liegen einerseits im Verschwinden seiner Lebensräume durch Entwässerung von Feuchtgrünland, Mooren und Ackernassstellen. Zum anderen ist der Bruterfolg gering aufgrund intensiver Bewirtschaftung: der Einsatz von Herbiziden und Insektiziden nimmt den Vögeln die Nahrungsbasis, Schleppen/Walzen während der Brutzeit zerstört Gelege, bei früher Wiesenmahd gehen viele noch nicht flügge Jungvögel verloren.

Eine große Gefährdung geht in vielen Brutgebieten auch von Beutegreifern aus. Vor allem der Fuchs führt in manchen Gebieten zu sehr hoher Prädation. Diese Entwicklung ist allerdings nicht unabhängig von der Lebensraumzerstörung zu sehen, da Füchse früher in den großflächig nassen und im Winter überschwemmten Feuchtgrünlandgebieten viel seltener auftraten.

Vorkommen auf den ökologisch bewirtschafteten Projektbetrieben

Der Kiebitz kommt auf mehreren Projektbetrieben als Brutvogel vor, teils im wechselfeuchten Grünland, teils im Bereich von Ackernassstellen.

Welche Maßnahmen sind besonders zur Förderung des Kiebitz geeignet?

Wesentlich ist vor allem der Erhalt der Habitate, also von Feuchtgrünland und Ackernassstellen. Landwirte können außerdem viel zu einem guten Bruterfolg beitragen, wenn die Brutbereiche der Kiebitze bei der Bewirtschaftung besonders berücksichtigt werden: Verzicht auf Schleppen/Walzen in der Brutzeit schont die Gelege, Stehenlassen von Streifen bei der Mahd erhält Rückzugsräume für die Jungvögel, verringerte Düngung führt zu langsamem und lückigem Aufwuchs der Grasnarbe. Im zeitigen Frühjahr sollte die Beweidungsdichte in den Habitaten des Kiebitzes gering sein.

Ackernassstellen können bei der Frühjahrsbestellung großzügig ausgespart werden, so entstehen besonders günstige Bruthabitate im Acker.

Maßnahmen im Handbuch „Landwirtschaft für Artenvielfalt“:

  • G2.2    Extensive Weide im Küstengrünland der Ostsee
  • G3.2    Kein Walzen/Schleppen 15.3. bis 31.7.
  • G4.1    Keine Düngung im Grünland
  • G4.2    Keine Düngung außer P, K
  • G5.1    Ruhezeit 8-10 Wochen April bis Anfang Juni
  • G6.1    Stehenlassen von Teilflächen im Grünland
  • G8       Mosaiknutzung im Grünland
  • L7.1     Blänken im Grünland
  • L7.2     Periodische Vernässungen im Acker

Texte: F. Gottwald & K. Stein-Bachinger; erstellt im Rahmen des WWF-Projektes „Landwirtschaft für Artenvielfalt“ 2015