Braunkehlchen

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Das Braunkehlchen (Saxicola rubetra) gehört zu denjenigen Vogelarten der Kulturlandschaft, die in den letzten Jahrzehnten dramatisch abgenommen haben. Der Trend ist weiterhin negativ. Die Hauptursache liegt in der Intensivierung der Grünlandbewirtschaftung.

Lebensraum und Ökologie

Das Braunkehlchen ist ein Charaktervogel extensiv bewirtschafteter Wiesen und Weiden und von gehölzarmen Brachflächen. Außerhalb der Kulturlandschaft lebt es an den Rändern ausgedehnter, offener Niedermoore. Im Ackerbereich werden strukturreiche Felder mit Kleegras besiedelt. Die Vögel benötigen bei der Nahrungssuche eine reich strukturierte Vegetation und Ansitzwarten in Form von überstehenden Pflanzenstängeln (z.B. von Stauden wie Wiesen-Kerbel oder Engelwurz). In der genutzten Kulturlandschaft sind auch Weidepfähle und Zaundrähte sehr beliebt.

Braunkehlchen kehren Mitte April bis Mai aus den afrikanischen Winterquartieren nach Deutschland zurück. Die Nester werden in höherer Vegetation am Boden gebaut. Die Brutphase erstreckt sich bis Mitte Juli.

Gefährdung

Das Braunkehlchen gilt in Mecklenburg-Vorpommern als gefährdet, in Brandenburg als stark gefährdet. Die Hauptursache für den negativen Bestandstrend liegt in den hohen Brutverlusten im Grünland infolge früher Mahdtermine. Dadurch haben die Vögel sehr geringen Bruterfolg. Daneben spielt der Rückgang geeigneter Lebensräume wie struktur- und insektenreiches Grünland und Brachflächen eine große Rolle. Durch die geringe Insektenvielfalt in intensiv bewirtschafteten Grünlandgebieten ist dort das Nahrungsangebot zu gering.

Vorkommen auf den ökologisch bewirtschafteten Projektbetrieben

Braunkehlchen sind auf den Projektbetrieben mit hohem Grünlandanteil noch weit verbreitet. Vor allem extensiv beweidete, großflächig offene Niedermoorgebiete mit Säumen an den Graben- und Wegrändern werden gerne besiedelt. Die Nester werden häufig in ungemähten Säumen am Schlagrand gebaut.

Welche Maßnahmen sind besonders zur Förderung des Braunkehlchens geeignet?

Wichtig für Braunkehlchen ist vor allem, daß sie in der Brutzeit von Mai bis Mitte Juli nicht durch landwirtschaftliche Arbeiten gefährdet werden und ihre Jungen ungestört aufziehen können. Dafür können Teilflächen in Wiesen, Weiden und im Kleegras bei der Mahd oder Beweidung im Frühjahr ausgespart werden. Dort wo sich Braunkehlchen an den Rändern der landwirtschaftlichen Flächen angesiedelt haben, sollten 10m breite Streifen bis Mitte Juli nicht genutzt werden.

Die Ansiedlung von Braunkehlchen kann man fördern, in dem sogenannte „überjährige Streifen“ am Rand von Wiesen, Weiden oder im Kleegras angelegt werden. Diese Streifen werden vom Sommer bis zum Ende der Brutzeit des Folgejahres nicht genutzt. In den überjährigen Streifen sollen Ansitzwarten vorhanden sein wie hochwachsende Staudenpflanzen, einzelne Schilfhalme, Weidepfähle usw.

Maßnahmen im Handbuch „Landwirtschaft für Artenvielfalt“:

  • A10.3  Überjährig ungemähte Streifen im Kleegras
  • A12.2  Buntbrachen und Blühstreifen
  • A13     Ein-bis mehrjährige Ackerstilllegungen
  • G5.3    Spätnutzung ab 15.7.
  • G6.2    Teilflächen ohne Nutzung bis 15.7.
  • G7       Überjährige Streifen
  • G10.2  Hochschnitt kleinflächig
  • L4.2     Offenflächen >0,5ha
  • L8.2     Säume auf besseren Standorten
  • L8.3     Säume an Grabenrändern

Texte: F. Gottwald & K. Stein-Bachinger; erstellt im Rahmen des WWF-Projektes „Landwirtschaft für Artenvielfalt“ 2015