Laubfrosch

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Der Europäische Laubfrosch (Hyla arborea) ist der einzige in Deutschland lebende Vertreter der vor allem in den Tropen verbreiteten Gruppe der Laubfrösche. Bekannt ist er für sein ausgeprägtes Klettervermögen, das er den einzigartigen Haftscheiben an seinen langen Zehen und Fingern verdankt.

Lebensraum und Ökologie

Ursprünglich war der Laubfrosch ein typischer Bewohner der Flussauen, wo die natürliche Dynamik des Flusses immer wieder neue Lebensräume schuf. Diese Landschaften sind in Mitteleuropa jedoch kaum noch zu finden. In Nordostdeutschland werden heute vor allem Kleingewässer in Waldnähe und in strukturreichen Agrarlandschaften besiedelt.

Laubfrösche können ausgeprägte Wanderungen zwischen ihrem Laichgewässer, den Sommerlebensräumen und dem Winterquartier unternehmen. Die Wanderbewegungen innerhalb der Teillebensräume umfassen Distanzen von einigen hundert Metern bis zu 2 km. Vor allem die jungen Laubfrösche halten sich aber im Sommer bevorzugt in unmittelbarer Nähe der Geburtsgewässer auf. Beliebte Sommerlebensräume sind auch sonnenbeschienene Randlagen von Feldgehölzen und Wäldern sowie Brombeergebüsch und Hochstaudenfluren.

Jahresrhythmus: Die Winterquartiere werden bei milder Witterung schon ab März verlassen. Die Laichzeit erstreckt sich von April bis Anfang Juli, mit einem Höhepunkt im Mai. Während dieser Zeit können die Laichgewässer auch gewechselt werden – eine Anpassung an die ständig wechselnden Wasserstandsverhältnisse in Flußauen. Ab Ende September werden die Winterquartiere aufgesucht, die vor allem in den Randbereichen von Laub- und Mischwäldern liegen.

Gefährdung

Rote Liste: “ gefährdet“ (Kat. 3) in Mecklenburg-Vorpommern und Gesamt-Deutschland, „stark gefährdet“ (Kat. 2) in Brandenburg

Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-RL): Anhang IV

Die Ursachen der Gefährdung liegen hauptsächlich in der Vernichtung und Beeinträchtigung von Kleingewässern, der Strukturverarmung der Landschaft und der damit einhergehenden Verinselung der Teillebensräume (Laichgewässer, Sommerlebensraum und Winterquartier). Auf den dazwischenliegenden bewirtschafteten Ackerflächen ist der Laubfrosch vielfältigen Gefährdungen ausgesetzt. Neben der Bodenbearbeitung auf Ackerflächen stellt im konventionellen Landbau die Ausbringung von mineralischem Dünger und Pflanzenschutzmitteln eine direkte Gefährdung dar, da die Frösche davon bei Hautkontakt verätzt oder vergiftet werden.

Vorkommen auf den Projektbetrieben

Der Laubfrosch ist auf mehreren Betrieben verbreitet und stellenweise häufig. Bei Untersuchungen auf ausgewählten Flächen zweier Betriebe in Nordwest-Mecklenburg (G.MarthGut Dalwitz) mit 23 Gewässern konnten 2015 in 17 Gewässern Laubfrösche nachgewiesen werden. Außerdem traten meist weitere gefährdete Amphibien auf wie Kammmolch und Rotbauchunke.

Im Bereich von 2300 ha Betriebsflächen von Gut Temmen in der Uckermark (davon rund 2000 ha Ackerland) wurden im Rahmen der FFH-Managementplanung 640 Kleingewässer kartiert. Davon waren 192 vom Laubfrosch besiedelt!

Welche Maßnahmen sind besonders zur Förderung des Laubfrosches geeignet?

Neben dem Erhalt geeigneter Laichgewässer ist es für den Laubfrosch wichtig, dass in der Nähe der Gewässer Sommerlebensräume mit höheren Sitzwarten vorhanden sind, z.B. Staudenfluren, Gebüsch oder strukturreiche Gehölze. Landlebensräume im unmittelbaren Umfeld der Gewässer verringern die Gefahren, die bei der Wanderung über landwirtschaftlich genutzte Flächen auftreten. Gewässerrandstreifen und lineare Vernetzungsstrukturen wie Hecken sind deshalb als Maßnahme zur Förderung des Laubfrosches prioritär. Liegen mehrere Kleingewässer in einem Acker dicht nebeneinander, sollte der Bereich in Dauergrünland umgewandelt werden oder ein amphibienfreundlicher Kleegrasanbau stattfinden.

Grünland oder Kleegras im Umfeld von Gewässern sollten während des Landaufenthaltes der Frösche von Juli bis September möglichst nicht oder mit Hochschnitt gemäht werden. Das Pflügen auf Ackerflächen ist zu den Wanderzeiten zu vermeiden.

Maßnahmen im Handbuch „Landwirtschaft für Artenvielfalt“:

  • A2.3 Überwinternde Stoppelbrache
  • A3 Eingeschränktes Pflügen in der Umgebung von Kleingewässern
  • A7 Kleegras Basis
  • A9 Hochschnitt im Kleegras
  • G3.2 Kein Walzen/Schleppen 15.3. bis 31.7.
  • G3.3 Verzicht auf Walzen/Schleppen
  • G4.1 Keine Düngung
  • G4.2 Keine Düngung außer P,K
  • G10.1 Hochschnitt großflächig
  • G10.2 Hochschnitt kleinflächig
  • G12 Umwandlung Ackerland in Grünland
  • L1 Landschaftselemente
  • L2.1 Feldgehölze und Baumhecken
  • L2.2 Hecken und Gebüsche
  • L4 Ungenutzte Offenflächen
  • L5 Kleingewässer
  • L6.1 Ampibienstreifen im Grünland und Kleegras
  • L6.2 Ampibienstreifen im Acker
  • L7.1 Blänken im Grünland
  • L7.2 Periodische Vernässungen im Acker
  • L8.2 Säume auf besseren Standorten
  • L9 Schutzstreifen im Umfeld von Gewässern und Mooren

Texte: F. Gottwald & K. Stein-Bachinger; erstellt im Rahmen des WWF-Projektes „Landwirtschaft für Artenvielfalt“ 2015