Maßnahmen im Grünland

Über ein Drittel aller heimischen Farn- und Blütenpflanzen – mehr als 1000 Arten – haben ihr Hauptvorkommen im Grünland (einschließlich Magerrasen). Von den in Deutschland gefährdeten Arten haben sogar rund 40 % ihr Hauptvorkommen im Grünland. Mit dem Rückgang der Pflanzenartenvielfalt im Grünland verlieren auch viele Insekten wie Bienen und Schmetterlinge ihre Nahrungsgrundlage und ihren Lebensraum. Typische Wiesenvögel wie der Kiebitz oder der Wiesenpieper weisen außerordentlich hohe Bestandsrückgänge auf.

Hinweis: Die Maßnahmensteckbriefe befinden sich derzeit im Aufbau

Grünland gibt es in den unterschiedlichsten Ausprägungen: von Nass- und Salzwiesen über Feucht- und Trockengrünland bis hin zu den von speziellem Klima geprägten Bergwiesen. An die besonderen Bedingungen in den verschiedenen Lebensräumen haben sich bestimmte Arten angepasst. Die Feuchtwiesenvögel wie Brachvogel, Kiebitz und Wiesenpieper benötigen hohe Wasserstände und lückige Vegetation. Die Heidelerche bewohnt trockenes Magergrünland. Der Neuntöter jagt gerne auf kurzgefressenen Weiden in der Nähe von Gebüschen. Auch für Nahrung suchende Greifvögel hat das Grünland eine sehr hohe Bedeutung. So ist der Bruterfolg von Schreiadlern, die in der Nähe von Grünland brüten, höher als von Brutpaaren, die wenig Grünland in ihrem Jagdgebiet zur Verfügung haben. Weideflächen sind aufgrund des Reichtums an Insekten auch ein gutes Jagdhabitat für Fledermäuse. Eine wichtige Rolle spielen dabei die im Kot der Weidetiere fressenden Larven bzw. die daraus schlüpfenden Insekten.

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Habitatqualität und Artenvielfalt

Die Hauptursachen für den Verlust an Lebensraumqualität und Artenvielfalt im Grünland sind:

  • Hohe Düngergaben, vor allem mit Stickstoff: Wenige konkurrenzkräftige Pflanzenarten setzen sich durch und lichtbedürftige Arten verschwinden. Das Mikroklima in den Beständen wird ungünstig für wärmeliebende Insekten.
  • Häufige Nutzung mit geringen Nutzungsabständen (Mahd oder Beweidung): Pflanzen kommen nicht mehr zur Blüte, Nester von Wiesenvögel werden ausgemäht.
  • Großräumige Nutzung mit modernen Mähgeräten: Bei günstiger Witterung wird die Landschaft in wenigen Tagen „kahlgemäht“, es bleiben keine Rückzugsräume für Jungvögel, Insekten, Amphibien usw.
  • Entwässerung: Durch die Entwässerung von naturnahem Feucht- und Nassgrünland z.B. in Niedermooren gehen die Lebensräume der darauf spezialisierten Arten verloren. Gleichzeitig erfolgt eine Nährstoffanreicherung, weil sich entwässerte Torfe zersetzen.
  • Grünlandumbruch: Aufgrund der höheren Erträge auf Ackerland hat der Grünlandanteil in vielen Regionen Deutschlands stark abgenommen.
  • Nutzungsaufgabe: Ertragsschwache Standorte werden gar nicht mehr genutzt. Auch dies führt zu einer starken Abnahme der Artenvielfalt und letztlich zur Verbuschung und zum Verschwinden der Offenlandarten. Hiervon sind vor allem die besonders artenreichen Grünlandlebensräume betroffen wie Trockenrasen und nährstoffarme Feuchtwiesen.

Je geringer die Nutzungsintensität und das Angebot an Nährstoffen, desto höher ist die Vielfalt an Arten. Viele spezialisierte und seltene Pflanzen- und Insektenarten kommen in sehr nährstoffarmen Vegetationsformen wie Trockenrasen und Pfeifengraswiesen mit äußerst extensiver Bewirtschaftung vor, die betriebswirtschaftlich praktisch keine Rolle mehr spielen. Aber auch mäßig intensive Wirtschaftsformen wie z.B. 2-3mal genutzte Wiesen mit mäßiger Düngung weisen eine hohe Artenvielfalt auf. Hierher gehören z.B. die europaweit geschützten sogenannten Frischwiesen (FFH-Lebensraumtyp 6510).

Die Nutzungsintensität von Grünland muss an den Nährstoffstatus angepasst sein. Nährstoffreichere Grünlandformen brauchen eine häufigere Nutzung, um die Biomasse abzuschöpfen, eine Verfilzung zu vermeiden und damit die Artenvielfalt zu erhalten. Sinnvoll ist es, sich an traditionellen Nutzungsmustern zu orientieren, an die sich auch viele Pflanzen- und Tierarten angepasst haben.

Generell gilt: Das eine richtige Management für Grünlandflächen, das den Ansprüchen aller Arten gerecht wird, gibt es nicht. Die optimale Bewirtschaftung von Grünlandflächen muss an den Standort und an bestimmte Zielarten angepasst sein. Eine große Vielfalt von Nutzungsmustern wird dabei auch eine große Artenvielfalt zur Folge haben.

Maßnahmen im Grünland

Die Maßnahmen im Grünland zielen auf die beiden Schlüsselfaktoren für die Artenvielfalt ab: Nährstoffniveau und Nutzungsintensität. Großflächig anwendbare Maßnahmen sind z.B. eine Verringerung der Düngung, höhere Schnitthöhen bei der Mahd und mehrwöchige Nutzungsruhen, die einen vollständigen Brutzyklus für Wiesenvögel erlauben. Einige der Maßnahmen sind aus wirtschaftlichen Gründen nicht auf großen Flächen umsetzbar, da sie eine Verringerung der Erträge und Futterqualitäten bewirken. Aber auch kleinflächige  Maßnahmen können einen sehr hohen Effekt haben und vielen Arten das Überleben auch in relativ intensiv genutzten Wiesen und Weiden ermöglichen. Dazu gehört insbesondere das Stehenlassen von Streifen oder Teilflächen bei der Mahd, das Rückzugsräume für Heuschrecken, Tagfalter und Jungvögel erhält.

G 2 Extensive Weide

G 2.1 Extensive Weide im trockenen Grünland

G2 Extensive Weide

G 2.2 Extensive Weide im Feucht- und Küstengrünland

G 3 Walzen und Schleppen

G 3.1 Kein Walzen/Schleppen vom 10.4. bis 31.7

G 3 Walzen und Schleppen

G 3.2 Kein Walzen/Schleppen vom 15.3. bis 31.7.

G 3 Walzen und Schleppen

G 3.3 Verzicht auf Walzen und Schleppen

G 4 Reduzierte Düngung

G 4.2 Keine Düngung außer P, K

G 5 Ruhezeit in der Brutzeit

G 5.1 Nutzungsruhe für mindestens 8 Wochen

G 5 Ruhezeit in der Brutzeit

G 5.2 Nutzungsruhe für mindestens 10 Wochen

G 5 Ruhezeit in der Brutzeit

G 5.3 Spätnutzung ab 15.7

G 6 Eingeschränkte Nutzung von Teilflächen

G 6.1 Eingeschränkte Nutzung von Teilflächen

G 6 Eingeschränkte Nutzung von Teilflächen

G 6.2 Eingeschränkte Nutzung von Teilflächen

G 7 Überjährige Streifen

G 7 Überjährige Streifen

G 8 Mosaiknutzung

G 8 Mosaiknutzung im Grünland

G 10 Hochschnitt

G 10.1 Hochschnitt großflächig

G 10 Hochschnitt im Grünland

G 10.2 Hochschnitt kleinflächig

G 11 Verzicht auf Mähaufbereiter

G 11 Verzicht auf Mähaufbereiter

G 12 Umwandlung

G 12 Umwandlung von Ackerland in Grünland

G 20 Individuelle Leistungen im Grünland

G 20.1 - 20.7 Individuelle Leistungen im Grünland